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OKTOBER - Photographie meets Literatur meets Photo...

Veröffentlicht am 04.10.2017

Ein Foto kann der Auslöser für Gedanken sein, die zum geschriebenen Wort führen.

Ein Beispiel ist das folgende Bild. Hier bringt es mich zu einer Betrachtung über das eigene Tun, das zu dem Foto geführt hatte.

FERIEN VOM KOPF

 

Ein etwas stressiger Tag neigt sich dem Ende zu.

Ein Wunsch beginnt sich zu formen: Ferien vom Kopf.

Die Sonne steht tief am Himmel und wirft lange warme Schatten.

Der Blick aus dem Fenster fällt auf die wilden Wiesenflächen mit den alten charaktervollen Obstbäumen, rechts die Schafe mit ihrem Stall, dahinter der kleine Weiher, mit Röhricht bestanden.

 

Ich werde mich dort auf die Bank setzen, ich werde die Frösche quaken hören, Enten zwischen dem Schilf hindurch paddeln sehen und vielleicht den Reiher beobachten können, der manchmal dort geduldig steht und auf seine Mahlzeit wartet.

 

Als Begleiter suche ich mir meine Kamera mit dem langen Rohr – wahrscheinlich wird sie die ganze Zeit neben mir auf der Bank liegen und mir beim Zugucken Gesellschaft leisten.

 

Recht so!

 

Als wir dann in dem grünen, Abendsonne beschienenen Paradies eingetroffen sind, meine Kamera und ich, ist alles so wie es sein soll:

Die Frösche quaken, die Enten paddeln durch das Schilf.

Ich mache in Ruhe die Kamera fertig, kontrolliere und korrigiere alle Einstellungen. Nur der Reiher fehlt.

Noch.

Und dann kommt er weit hinten von links hinter dem Schilf hervorgeschritten. „Alle Zeit der Welt“ signalisieren seine langsamen, majestätischen Bewegungen. Er wirkt nicht hungrig, eher in sich gekehrt, vielleicht ist er auch nur zum Meditieren hierher gekommen.

Ein meditierender Reiher.

Dessen konzentrierte Ruhe nun beginnt, sich auf mich zu übertragen.

Bis irgendwann sein Hals lang wird und sein Blick starr: Er ist Jäger geworden.

 

Auch ich verlasse nun meine Meditation.

Und schieße.

Das Bild.